OH LIFE // HILFLOSIGKEIT UND TRAUER





Ein Gefühl von Hilfosigkeit

Ein Abend wie jeder andere, so schien es, vor einigen wenigen Wochen, brachte mein Leben ins Wanken. Stellte meinen Glauben in Frage stellen. Glaube. Glaube ich noch? Habe ich vielleicht sogar meinen Glauben verloren - an diesem Abend und in diesen fürchterlichen Wochen danach, und ganz besonders in der letzten Nacht, in der ich kein Auge zugetan habe, in der ich in einem Bett auf Bali lag und stundenlang die Wand oder mein Handy anstarrte und viel lieber zu Hause wäre, da, da für einen Menschen, der ein Teil meines Herzen ist. Aber das bin ich nicht, ich bin viel zu weit weg und kann nichts tun, nur abwarten. Wohlwissend, dass es kein Happy End gibt. Und doch flehe ich innerlich, bete und frage mich zur gleichen Zeit - werden diese Gebete überhaupt erhört. Frage mich, wie kann mein Gott, unser Herr, das zulassen, gleich so vielen Menschen zur gleichen Zeit weh zu tun, so unfair zu sein, so grausam. Ich bin wütend. Die Wut in meinem Bauch ist groß und stark. Und die Enttäuschung nur schwer zu ertragen.

Ich bin Christin und ich glaube an Gott, schon mein ganzes Leben lang. Und auch wenn es eine Phase in meinem Leben gab, in der ich der Kirche und meinem Glauben den Rücken kehrte - so fand ich zurück. Mein Glaube hat mir oft Kraft gegeben, mich gestärkt, getröstet. Doch er kann mich nun nicht mehr trösten, er tröstet mich nicht, gibt mir keine Kraft, stattdessen bin ich wütend. Unglaublich wütend und enttäuscht. Ich fühl mich fast auch ein Stück betrogen. Und obwohl ich mit meinem Glauben hadere, mich wirklich frage, ob es Gott überhaupt gibt und warum er in dieser Welt so viele grausame Dinge zulässt, sende ich Gebete und Bitten gen Himmel. 

Hilflosigkeit, ein lähmendes Gefühl. Hilflosigkeit, nur schwer zu ertragen. Das Gefühl zu haben, dazustehen und dieses Leid still ertragen zu müssen und nichts, aber auch rein gar nichts, tun zu können. Für Niemanden. Mein Herz schlägt langsamer, die Luft findet nur schwer ihren Weg in meine Lungen. Ich bin so furchtbar enttäuscht von diesem Leben, das Leben nimmt - auf die schlimmste Art und Weise, die man sich nur vorstellen kann. Und wieder das Gefühl von Wut. Wie ein Geschwür brodelt es in meinem Magen. Ich möchte schreien und noch lauter schreien, dem Himmel entgegen. Meiner Trauer, Wut und Enttäuschung Platz machen, ihr einen Raum geben und darauf hoffen, dass doch alles anders ist, dass es sich um einen furchtbaren Traum handelt. Aber das ist es nicht, es ist kein Traum und kein Schreien dieser Welt ändert etwas daran. Leider. 

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