Kolumne: MÜTTER SIND AUCH NUR MENSCHEN!






..zwischen Höhen und Tiefen!

Es gibt Momente, da kapituliere ich. Da kann ich nicht mehr, da bricht es aus mir heraus und ich fühle mich der Situation nicht mehr gewachsen. In diesen Momenten fühle ich mich schwach und hilflos, überfordert und überfragt. Und das ist in Ordnung so. Das darf so sein, es ist menschlich und normal. Der Mensch hat seine Grenzen, jeder seine ganz eigenen. Und meine sind momentan erreicht. 

Das Kind in der Trage vor meiner Brust, die Wickeltasche baumelt am rechten Arm, die große Porzellanschale mit den noch heißen Zimtschnecken balanciere ich in der linken Hand. Ich schaue noch einmal kurz auf die Uhr, viertel vor zehn. Oh Mist, ich komme zu spät, schon wieder. Das Mimi-Kind brüllt, ich bin gehetzt und von der {mehr als dürftigen} Nacht noch total benommen. Ich brauche Schlaf, und zwar dringend - das denke ich mir noch. In diesem Moment der Unaufmerksamkeit greift Mimi nach der Schale mit den Zimtschnecken und mit einem Ruck fliegt genau diese in einem hohen Bogen Richtung Fußboden, sie schlägt auf und zerspringt. Die Zimtschnecken liegen überall verteilt. Ich schlucke. Habe ich mich für diese Zimtschnecken nach der grausigen Nacht doch extra aus dem Bett gekämpft. Ich beginne zu weinen. Meine Nerven liegen mehr als blank. Verdammt nochmal, verdammter Mist. Ich setze mich auf den Stuhl und atme tief durch, Tränen rinnen über meine Wangen und ich fühle mich ausgelaugt. Ausgelaugt und müde. Einsam. Alleingelassen und überfordert. Ich bin traurig, und auch ein wenig wütend. Auf alles. In genau diesem Moment erscheint mir alles ziemlich dunkel. Acht Monate lang plagen mich nun schon die schlaflosen Nächte. In der Regel kommt das Mimi-Mäuschen jede Stunde. Manchmal sogar halbstündig, manchmal {mit sehr viel Glück} zweistündig. Jede Faser meines Körpers ist müde, müde und geschafft. All die lieben Ratschläge und gut gemeinten Worte von anderen Müttern oder Vätern trösten mich schon lange nicht mehr. Die Hoffnung auf erholsamen Schlaf habe ich aufgegeben. Ich gehe Abends ins Bett und habe Angst vor der Nacht, das ist die Wahrheit. Oft frage ich mich, ob es überhaupt lohnt, sich hinzulegen. 

Es gibt viele Tage, an denen ich das Gefühl habe, all dem nicht mehr gewachsen zu sein. Es nicht mehr zu schaffen. Mein Körper schmerzt, er ist ausgelaugt. Ich bin unkonzentriert und fahrig. An ganz schlimmen Tagen rufe ich Henry an und schimpfe lautstark ins Telefon. In diesen Momenten bin ich sauer. Sauer auf ihn, sauer auf die Welt, sauer, dass ich all das alleine meistern muss. Enttäuscht, dass Henry in diesen Momenten nicht da ist und mich auffängt. Natürlich würde er mir gern helfen, aber er ist nunmal nicht da. Die schlaflosen Nächte und die darauf folgenden ungnädigen, Vormittage zehren an meinen Kräften. Mimi ist ein liebes und fröhliches Baby, sehr gewinnend und glücklich. Aber auch sie ist nach den schlaflosen Nächten am nächsten Morgen übel gelaunt. Oft hilft nur das Auto. Ich habe schon Stunden über Stunden in meiner kleinen Möhre alias Frieda gesessen und war dankbar, das kleine Mädchen endlich in den Schlaf gefahren zu haben. Ich fahre und fahre und fahre, Runde für Runde, Landstaße für Landstraße. 

Manchmal ist es eine echte Herausforderung, Mama zu sein. In diesen anstrengenden und weniger schönen Momenten trotzdem eine gute Mutter zu sein. Manchmal sitzt man da und es laufen die Tränen. Und ganz manchmal fragt man sich, wer bloß die Idee mit dem Baby hatte. Das ist natürlich und und das ist in Ordnung. Es ist wichtig und richtig, in diesen Momenten der Schwäche, der Hilflosigkeit und/ oder Überforderung seine Gefühle herauszulassen, sie mitzuteilen. Ich bin damit nicht allein, da bin ich mir sicher. Fast jede Mutter kennt sie, diese Momente. Es muss nicht immer alles rosarot und perfekt sein, so ist das Leben nicht. Es läuft eben nicht immer alles rund. Und ja, manchmal fragt man sich, wie man das schaffen soll. Manchmal sitze ich dann da, bin frustriert und traurig, manchmal weine oder schimpfe ich vor mich hin - und dann, dann geht es mir schon etwas besser. Oft wähle ich die Nummer meine Freundin, spreche mit ihr. Sie hört mir zu, sie muntert mich auf, sie findet tröstende Worte. Fast immer schaut meine Welt dann schon wieder etwas freundlicher aus. Und dann bleibt mir der Glauben daran, dass alles nur eine Phase ist. Dass auch mein kleines Mädchen irgendwann besser schläft. Glaubt mir, es ist vollkommen ok, auch Schwäche zu zeigen. Das ist nur menschlich, oder etwa nicht?



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